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Kindertheater im Sommer

"Darstellendes Spiel - Kinder spielen Theater" - unter diesem Motto fand im Rahmen der Sommer-Akademie wieder ein Kindertheater-Workshop mit Lizzie Ballinger im Künstlerdorf Neumarkt an der Raab statt. Die Kinder hatten die Gelegenheit, ihre Kreativität zu erforschen und zu entwickeln.

Über das Künstlerdorf...

Kunstdrucker Kurt Zein, Schauspiellehrerin Lizzie Ballinger und Maezen Philipp Kelemen über ihre Eindrücke vom Künstlerdorf. Dieses Video (in größerer Darstellung) und viele weitere finden Sie auf unserer :: Videoseite

Kultur gestalten und erleben

International renommierte Künstler leiten unsere Kurse, dabei vergessen wir aber auch nicht auf die regionale Verankerung. Weltläufigkeit und Heimatbezug - auf diesen beiden Pfeilern wurde die Sommerakademie Neumarkt an der Raab einst gegründet. Getreu dieser Tradition ist es gelungen, unsere Kunstseminare wieder als kulturell anspruchsvolles Projekt zu positionieren. Auch dieses Jahr haben sich wieder viele Künstler von Rang und Namen zur Kursleitung bereit erklärt und geben ihr Wissen gerne an Interessierte weiter. Ich bin guter Dinge, dass es uns auch heuer wieder gelingen wird, einen herrlichen Musischen Sommer im verträumten Dreiländereck zu gestalten und zu erleben.

 
Petra Werkovits, Vorsitzende des Kulturvereins Neumarkt an der Raab

kulturundkommunikation.at

Die Geschichte des Kulturvereins Künstlerdorf Neumarkt an der Raab

Lassen Sie sich inspirieren vom einzigartigen Ambiente unserer Häuser und genießen Sie die Ruhe dieses traditionsreichen Ortes, über den ich Ihnen gerne ein wenig erzählen möchte:

Es war einmal … Ende der sechziger Jahre, die nach Osten verlängerte Dorfstraße endete noch am Eisernen Vorhang, da begannen Künstler aus dem urbanen Wien unser Neumarkt zu entdecken. In dem Nest, das früher einmal Farkasfalva, Wolfsdorf, geheißen hatte, sagten einander Fuchs und Hase gute Nacht. Das meinten die einen. Romantischere Geister schwärmten jedoch vom verträumten Dorf an der Grenze, in dem die Zeit stehengeblieben sei. Der Ort hätte sich die Beschaulichkeit des letzten Jahrhunderts bewahrt.

In dieser Zeit pendelte der gebürtige Neumarkter Feri Zotter zwischen Wien und dem Südburgenland hin und her. Viele Jahre hindurch war er Leiter der Künstlergruppe Burgenland und richtete schließlich als Beauftragter des Kulturamtes der Landesregierung die Burgenländische Landesgalerie im Schloss Esterhazy in Eisenstadt ein.

Als Feri Zotter Mitte der 60-er Jahre erfuhr, dass eines der ältesten Häuser, ein Streckhof mit Strohdach und „gsatzen“ Mauern - was im Fachjargon übrigens „häckselgemagerter Stampflehm“ heißt - abgetragen werden sollte, ersuchte er das Bundesdenkmalamt, das Objekt unter Schutz zu stellen. Deshalb gründete er einen Verschönerungs- und Fremdenverkehrsverein, unseren späteren Kulturverein, um an Subventionen der öffentlichen Hand für den Kauf des Hauses und die Restaurierung heranzukommen.
Und so kam es dann auch.

Das Denkmalamt erläuterte die Bedeutung des Neumarkter Schutzobjektes folgendermaßen:
„Der Typus des lehmgesetzten Streckhofes wurde durch Grabungen in Ungarn bereits für das Mittelalter nachgewiesen. Er ist in Österreich nur noch im Südburgenland in wenigen Exemplaren vorhanden.“ Neben den gesatzen Mauern und dem Strohdach mit einem Krüppelwalm an der Giebelseite waren den Fachleuten die lehmgestampfte „Gredn“, die Rauchküche mit ihrer offenen Feuerstelle und der gesatzte Backofen als erhaltenswert aufgefallen. …

Der Mann hinter dieser positiven Expertise war Dr. Alfred Schmeller, Kunsthistoriker, Kritiker und Kunstschriftsteller, in den 50-er Jahren Kommissär der Biennale in Venedig, in den 60-er Jahren Landeskonservator für das Burgenland und Direktor des Wiener Museums des 20. Jahrhunderts.

Ihm ist die Erhaltung vieler Bauwerke im Burgenland zu verdanken. Und sein Verdienst ist es auch, uns den Wert der anonymen bäuerlichen Bauten aus früheren Jahrzehnten und sogar Jahrhunderten bewusst zu machen, zumal sich die Einheimischen bis zu Schmellers Auftreten derartiger Objekte eher schämten und sie daher so rasch wie möglich abtragen wollten.
Wir Südburgenländer dürfen Alfred Schmeller dafür noch immer zutiefst dankbar sein, dass er unsere Region mit ihrer eigenen Identität ausgesöhnt hat.

Im Freilichtmuseum in Bad Tatzmannsdorf sammelte Schmeller Prototypen unserer Baukultur, und in Heiligenbrunn schaffte er es mit Hilfe von gar nicht wenig Uhudler (dem er übrigens den Namen gegeben hat), den Einheimischen ihre Keller interessant erscheinen zu lassen.

Und in Neumarkt eben ist es Schmellers originellen Ideen zu verdanken, dass das Haus Nr. 24 (heute Jennersdorfer
Straße 8) eine Künstlerherberge wurde, die unter dem Namen „Atelierhaus“ bekannt werden sollte. Denn ein Haus, das nicht bewohnt sei, sterbe, meinte Schmeller.

Zur Eröffnung des Hauses 1968 hielt der Kulturmanager und Publizist Dr. Otto Breicha in einem Zeitungsartikel fest, dass fortan Schriftsteller, bildende Künstler, Fotografen und sonstige Kulturmenschen im Neumarkter Atelierhaus ein Refugium finden können und werden. Otto Breicha selbst war in den folgenden Jahren des Öfteren zu Gast in Neumarkt und schrieb hier seine bekannten Monographien.

Der erste bildende Künstler, der sich 1968 im Atelierhaus mit Frau und Tochter einquartierte, war der mittlerweile verstorbene Johannes Wanke, der sich damals bereits mit Holzschnitten einen Namen in der Österreichischen Kunstszene gemacht hatte. 1978 siedelte er sich endgültig in Neumarkt an.

Der zweite Künstler, der sich in die „5-Schilling-Klause“ zurückzog, war ein Vertreter der Literatur. Er war damals 26 Jahre alt und mit seinen Sprechstücken „Selbstbezichtigung“ und „Publikumsbeschimpfung“ drauf und dran, in Deutschland Furore zu machen. Von Peter Handke ist die Rede. In Neumarkt entstand sein Konzept zum Roman „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“, das wenige Jahre später von Wim Wenders in unserer Region verfilmt wurde.

Für sein Buch „Schauplätze österreichischer Dichtung“ ging der Kulturjournalist Dietmar Grieser allen Örtlichkeiten nach, die im Tormann verarbeitet sind. Eduard Sauerzopf, Gründungsmitglied und gute Seele des Vereines, war sein Begleiter, und mit dem Kapitel „Dichters Dienstmann“ bedankte er sich bei ihm. 
 
Prof. Eduard Sauerzopf war eine Persönlichkeit, die für die gesamte Entwicklung des Vereines von großer Bedeutung war. Als gewissenhafter Chronist führte er jahrelang detaillierte Aufzeichnungen und war übrigens auch der Erfinder des Musischen Sommers, welcher 1971 zum ersten Mal durchgeführt wurde. Etliche Dankadressen renommierter Künstler in den Gästebüchern des Neumarkter Kulturvereines belegen seine Rolle.

Gerhard Roth schrieb 1975: „Abgesehen vom schönen Atelierhaus ist Sauerzopf die angenehmste Erinnerung dieses Sommers, und, wenn ich an Menschen denke, denen ich begegnet bin, einer der wertvollsten, die ich kennengelernt habe.“ Walter Pichler war ihm dankbar dafür, dass er ihm das Haus und das Stück Land gezeigt hatte, auf dem er seine Pläne verwirklichen konnte.

Eduard Sauerzopf verstarb am 3. April 2011. Der Kulturverein Künstlerdorf Neumarkt an der Raab bleibt ihm in tiefer Dankbarkeit verbunden.

Rudi Schönwald, jahrelang als Professor für Bildnerische Gestaltung an der Technischen Hochschule Aachen tätig, konstatierte ihm, er sei ein hervorragender Zeichner, ein geistreicher Gesprächspartner und ein nachdenklicher Patriot, der ihm viel im südlichen Burgenland gezeigt habe, sodass er es, ohne je dort ansässig gewesen zu sein, als seine zweite Heimat betrachte.

Der Kulturverein wurde so beliebt, dass bereits 1970 ein weiteres Haus angekauft wurde, das „Zweggerlhaus“. Wie das „Atelierhaus“ ist es ebenfalls ein Bauernhaus aus dem vorvorigen Jahrhundert. Der hintere Teil musste allerdings abgerissen werden und an seine Stelle kam ein Zubau. Damit war ein Raum für Veranstaltungen geschaffen. Im Fasching findet dort zum Beispiel der tradtitionelle „Sautanz“ statt, ein überaus beliebtes, rustikales Künstlerfest.

Das war der Anfang der Erfolgsgeschichte. In den Folgejahren wurde die ehemalige Schule zur Dorfgalerie umgewidmet, die Ölmühle angekauft, Dank Hofrat Dr. Jandrasits konnten das älteste Kino des Burgenlandes und der Kreuzstadel abgetragen und in Neumarkt wieder aufgebaut werden.

Vor wenigen Jahren erst wurde das Litzelsdorfer Heimathaus abgetragen und hier aufgebaut. 2006 ist die professionell ausgestattete Druckwerkstatt entstanden, die, wie das Pauli-Haus, dem Engagement meines Vorgängers zu verdanken ist. Aus diesem Grund haben wir auch  Alois Neubauer posthum die Ehre erwiesen und das Gebäude nach ihm „Luishaus“ benannt.

In den Gästebüchern des Kulturvereines finden sich Einträge vieler namhafter Künstler, Schriftsteller und Musiker. Die Literaten Peter Rosei, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Barbara Frischmuth und viele viele mehr nahmen damals sogar gerne mangelnden Komfort in Kauf, um ein Ambiente zu atmen, das sie in ihrer Kunst beflügelte.

Heute bieten unsere Unterkünfte mehr Komfort, aber die Ansprüche sind auch gestiegen. Um es mit Lampedusa zu sagen: Die Dinge müssen sich ändern, um gleich zu bleiben.
 
Mitte der 70-er Jahre experimentierte Gerhard Rühm in Neumarkt mit der Sprache, der in progressiver Schreibweise neue Dimensionen erschlossen wurden.

Da möchte ich Ihnen auch eine amüsante Anekdote von H.C. Artmann, dem großen Vorkämpfer der Wiener Gruppe, nicht vorenthalten. Bei einem seiner Aufenthalte in Neumarkt gab er an, fünfzig Jahre alt geworden zu sein (tatsächlich war er schon zwei Jahre drüber), worauf ihm die örtliche Blasmusik ein Ständchen darbrachte und der Bürgermeister einen Geschenkkorb überreichte. H.C. war gerührt.

Ich selbst war zutiefst berührt, als ich ihn über zwanzig Jahre später kennen lernen durfte. Seine legendäre Ausstrahlung und unwiderstehliche Wirkung auf Frauen hatte er übrigens auch mit 75 noch nicht eingebüßt.

Auch Peter Turrini und Wilhelm Pevny arbeiteten im Atelierhaus mit viel Fleiß. Sie schrieben an der damals vieldiskutierten, mittlerweile längst zum Kult avancierten Fernsehserie „Alpensaga“.

Gerhard Roth tippte im Zweggerlhaus seinen Roman „Ein neuer Morgen“ in die Schreibmaschine, Wolfgang Bauer war immer wieder gerne zu Gast bei den verschiedensten Festivitäten, Alfred Kolleritsch genoss die bereichernden Gespräche mit Alfred Schmeller und Otto Breicha, und Werner Schwab schrieb drei Jahre vor seinem frühen Tod das Drama „Volksvernichtung oder meine Leber ist sinnlos“. Und auch Gert Jonke fühlte sich in Neumarkt besonders wohl.

Viele Musiker fanden sich in jenen Jahren in Neumarkt ein. Der Komponist und Musiktheoretiker Paul Kont, sowie der venezianische Star-Dirigent Giuseppe Sinopoli. Letzterer erwarb, nachdem er über viele Jahre hindurch immer wieder Musik-Kurse im Rahmen des musischen Sommers geleitet hatte, ein Haus in der Neumarkter Hauptstraße, woran eine daran angebrachte Gedenktafel erinnert.

Aber nicht nur die Klassische Musik war in Neumarkt vertreten, sondern mit Toni Michlmayr auch ein Protagonist des Free Jazz bzw. der frei improvisierten Musik, der sich bemühte, Gerümpel zum Klingen zu bringen. Diese Gerümpelorgel war das ideale Instrument um Erwin Piplits’ Theaterstück „Der Räuberhauptmann Holzknechtseppl“ musikalisch zu begleiten.

In den 90-er Jahren veranstaltete der quirlige Kulturverein limmitationes sensationelle Konzerte im Neumarkter Ensemble. Otto Lechner, der Weltstar Abdullah Ibrahim, Dieter Glawischnig, Armin Pokorn, Ewald Oberleitner, John Preininger, um nur einige wenige zu nennen, gastierten auf Einladung von Udo Preis hier in Neumarkt. Aber auch Kabarettisten wie Josef Hader und Andreas Vitasek zogen sich in die ländliche Abgeschiedenheit des Künstlerdorfes zurück.

Und natürlich bildende Künstler, wie Martha Jungwirth, Peter Pongratz, Karl Anton Fleck, Kurt Moldovan, Peter Sengl, Kurt Kocherscheidt, der Architekt Günther Domenig, Rudolf Schönwald oder Martin Kippenberger, um nur einige wenige zu nennen.

Manche  dieser Künstler waren auch irgendwann bei Sommerkursen oder ähnlichen Veranstaltungen wie Seminaren oder Workshops, in Neumarkt als Animatoren eingesetzt, als „Lehrmeister der Künste“, wie Feri Zotter es formulierte.

Christoph Donin war von Anfang an dabei. Ein Meister seines Faches, war er schon in den 50-er Jahren Assistent bei Prof. Herberth an der Angewandten, bei dem auch Walter Pichler und Kurt Moldovan ihr Diplom machten. Und dann gab es einige, die hier ihre zumindest zweite Heimat gefunden haben. Walter Pichler ließ sich 1972, Christian Ludwig Attersee 1974 in St. Martin Bergen nieder, was wiederum Walter Pichler zu verdanken war, der sehr viele befreundete Künstler aus Wien animierte sich in unserer Gegend anzusiedeln. Damit wurden viele erhaltenswerte Häuser stilgerecht und liebevoll saniert. In Neumarkt selbst bewohnt nach wie vor Martha Jungwirth ihre Gehöft, auch Elfie Semotan besucht so oft wie möglich ihre Grieselsteiner Wahlheimat.

Eine wichtige Bereicherung für den Verein war auch Gottfried Pröll – sein Buch „Auch Künstler sind Menschen“ diente als eine der Quellen unserer Recherchen. Gottfried Pröll hat in all den Jahren nicht nur als Kulturjournalist über den Verein und seine Künstler berichtet, sondern dieses Material gemeinsam mit Edi Sauerzopf auch gesammelt, zusammengetragen, aufgeschrieben und uns damit einen unschätzbaren Wert hinterlassen: Unsere Geschichte.

Mit dem Tod von Feri Zotter verebben die ausführlichen und umfangreichen Aufzeichnungen und Dokumentationen der Vereinsaktivitäten, die goldene Ära war durch sein Dahinscheiden zu Ende gegangen. Allen Anstrengungen seiner Nachfolger zum Trotz blieb die traurige Erkenntnis, dass Ausnahmeerscheinungen nicht zu ersetzen sind. Ferri Zotter war eben ein solche Persönlichkeit, er konnte mit seiner Energie und Einfallsgabe so viel erreichen, Berge versetzen, Häuser retten, ja sogar Kulturvereine gründen.

Dieses Erbe lastete schwer auf den Schultern seiner Nachfolger. Eine Führungstroika wurde installiert, Dr. Felix Hoffmann und Dr. Johann Jandrasits übernahmen die Vereinsleitung, Prof. Franz Vass wurde künstlerischer Leiter. Ihnen ist es zu verdanken, dass der Verein auch ohne seinen großen Mentor überleben konnte. Der darauffolgende Obmann Alois Neubauer investierte viel Zeit und Energie in die Fortführung des Vereines, in den Ausbau der Sommerakademie und in den Erhalt der Häuser.

Im Herbst 2007 verstarb Alois Neubauer, die Zukunft des Vereines lag (wieder einmal) im Ungewissen. Fast ein halbes Jahr später sollte ich seine Nachfolge antreten und...

...um es mit Karl Farkas zu sagen:
Schauen Sie sich das an!


Ihre
Petra Werkovits
Vorsitzende des Kulturvereins Künstlerdorf Neumarkt ab der Raab

 

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